Wie in vielen Familien, so ist auch bei uns der Samstag der Gr0ßeinkauftag. Was man da kauft, das reicht dann zumindest bis Mitte der Woche. Ab da muss die Hausfrau und Mutter sich die fehlenden Lebensmittel selbst zusammen kaufen oder halt mit den übrig gebliebenen Lebensmitteln jonglieren um bis zum nächsten Samstag hin zu kommen.
Ich kaufe ja nicht gerne ein. Also, so richtig einkaufen. Shoppen, das mach ich sehr gerne. Hier im Lädchen wühlen, dort in der Boutique nen bisschen stöbern, das macht Spaß. Aber dieses Pflichteinkaufen, das mach ich nur höchst ungern und in Notfällen allein. Da jongliere ich doch lieber.
Der Montag ist ein schöner Tag für mich. Der Kühlschrank lacht mich beim Öffnen wohlgefüllt an, alle Obstschalen sehen noch aus wie bei "schöner wohnen". Hach, ein schöner Tag denn Muttern muss nicht los. Son Montag, den kann man genießen.
Bis heute.
Meine Kinder packten ihre Hausaufgaben aus, ich tüddelte in der Küche rum da sagte meine Jüngste: "Mama, ich MUSS morgen nen Apfel mit in die Schule bringen!". Ich habe mir verkniffen zu sagen dass es das Obst doch nun vom Staat geben soll und die Schule sich an den wenden. Aber es schoss mir durch den Kopf. Wobei meine Kinder bestimmt nicht über meine Ansichten zu Eltern, die Geld für Zigaretten, Handys und Computer haben aber zu arm sind ihren Kindern Obst und Gemüse zu kaufen, wissen wollten. Also sagte ich nur: "Nein, musste nicht!". Damit kam ich natürlich nicht weit: "Doch, MUSS ich. Ich hab`s mir extra aufgeschrieben. Da, guck! Einen Apfel soll ich mit bringen!!!". "Mein liebes Kind, " begann meine Predigt, "ich gehöre zu den Müttern, die ihren Kindern IMMER Obst oder Gemüsestreifen mit in die Schule geben. Ich MUSS keinen Apfel mit geben. Besonders wenn wir grad dieses Wochenende unzählige Sachen dieser Art kauften aber grad mal keine Äpfel. Die sind aus und für einen Apfel fahre ich nicht los!". "Ich brauche morgen aber einen *trotz*!", "Dann malen wir einen! *konter*", "Nee, nen echten Apfel!". Hm, hm, hmhmhmhm, ich blickte mich um und da sah ich sie: Eine Tomate! "Hey, ich hab ne Idee! Ich fahre nicht los um einen, einen einzigen Apfel zu kaufen, ich verkleide dir diese Tomate *hochhalt!". "Wie willste das denn machen?". "Na, ich kleb da nen Stil und Blätter von unserem geizigen Apfelbaum draußen dran *triumphier*!". Mein Sohn war begeistert! Er hatte nen Heidenspaß. Weil, er würde ja auch am nächsten Tag keine verkleidete Tomate als Apfel mitbringen müssen, wie lustig. Meine Tochter weigerte sich. Sie wollte lieber bei den Nachbarn (ringsum haben alle großzügige Apfelbäume, die randvoll hängen) betteln. Ich hab etwas gegen betteln. Nächster Plan: "Was ist denn mit den Plastikäpfeln für deine Kinderküche. Das ganze Zeugs flog doch immer bei dir rum!". "Ja," antwortete mein Kind, " aber nun hab ich nur noch ne Banane (die ham wa auch in echt). Den Rest hattet ihr uns doch weg genommen weil es überall rum flog!".
Okay, ehe ich nun für einen, einen einzigen Apfel los fahre gehe ich doch lieber in den Keller und suche den Karton mit dem Geraffel für die Kinderküch. Schließlich soll mein Kind ja nicht das einzige ohne Apfel sein. Von nem echten Apfel war ja zum Glück keine Rede!
Oder drück ich mich lieber in die Hecke und klau dem Nachbarn einen?
