Sonntag, 20. September 2009

Die Meermenschen

Wusstest du schon das weit draußen im tiefen Meer auch Menschen wohnen? Nicht Menschen wie du und ich sondern winzig kleine Wesen mit goldenem Haar und freundlichen kleinen Stupsnasen.
Sie sind ganz anders als wir. Immer bescheiden, immer freundlich und nie einen bösen Gedanken im Sinn.
Diese kleinen Meermenschen werden sehr alt. Viele hundert Jahre. Sie bekommen auch nur zwei Kinder in ihrem Leben. Ein Mädchen und einen Jungen. Immer Zwillinge.
Ein friedliches, fröhliches Leben ist es bei den Meermenschen.
Sobald ein Meermädchen alt genug ist dass es den Webrahmen halten kann beginnt es aus ihrem Haar und den feinsten Nachtalgen der Tiefsee einen Stoff zu weben, der in den schönsten Farben der Nacht schimmert.
Ein Meerjunge in diesem Alter beginnt mit dem Bau eines Hauses. Es besteht aus toten Steinkorallen und wird mit dem Sand aus der dunkelblauen Wunderhöhle verputzt. Noch wissen weder Meermädchen, noch der Meerjunge wen sie einmal heiraten werden. Doch die Häuser werden immer gleich gebaut.
Die Meerkinder treffen sich jeden Tag in der Grotte des Lichts und lernen alles über die Welt und ihre Bewohner. Aber auch Singen, musizieren und hamonieren sind feste Bestandteile ihres Stundenplanes. Dabei lernen sie sich sehr gut kennen und jedes Meereskind findet auf diesem Weg den Partner für das Leben zu zweit kennen und lieben. Da die Meermenschen so viel Zeit in ihrem Leben haben warten sie auch mit der Hochzeit bis sie sich ganz sicher sind den richtigen Partner gefunden zu haben.
Sobald beide Meerkinder ihre Arbeiten für ein gemeinsames Haus beendet haben beginnt ein rauschendes Fest. Alle Meermenschen treffen sich am Riff der Liebe um das glückliche Paar zu bejubeln. Sobald der Jubel endet wird die Ehe geschlossen. Durch einen liebevollen Kuss. Nun wandert das gesamte Volk, den gewebten Stoff des Meermädchen vorsichtig tragend, hinter dem Paar zum Hause des Meerjungen. Dort wird in einem großen Festakt der glitzernde Stoff um das Dach gespannt. Die Meerfrauen befestigen tanzend Glücksperlen an seinem Rand.
Dann zieht das neue Meermenschpaar in sein Haus und verbringt ein glückliches, langes Leben zusammen.
Wenn beide Meermenschen friedlich gestorben sind steht so ein Haus den Fischen und anderen Meeresbewohnern zur Verfügung. es wird weiter gepflegt und das Paar, das einst darin lebte wird immer in Erinnerung gehalten.
Selten, ganz selten, so selten dass es fast nie passiert holt sich der Sturm eines dieser leeren Häuschen. Er liebt die Meermenschen und ihre Häuser, doch ab und zu kann er sich nicht zurück halten. Er muss sich das Häuschen genauer ansehen, es streicheln und untersuchen. Das ist nicht schlimm für die Meermenschen. Sie wissen dass der Sturm dieses Haus pfleglich behandelt und gönnen es ihm.
Der Sturm, der sehr genau weiß was er mit seiner Kraft den Landmenschen an tut, hat deshalb oft ein schlechtes Gewissen. Darum legt er, wenn er ein Meermenschenhaus lang genug genossen hat, dieses an Land sobald er geht. Meistens wird das Haus von den Vögeln geholt. Es eignet sich so wunderbar zum Nestbau.
Einst ging ich am Meer entlang und haderte mit meinem Leben. Ich war neidisch und missgünstig und kein Landmensch gefiel mir wirklich. Dann sah ich etwas Blaues im Sand, halb vergraben. es schimmerte an manchen Stellen leicht golden und brachte mir schon von weiten ein Gefühl des Friedens. Ich lief dorthin, grub ganz vorsichtig und fand, ja genau, ein Meermenschenhaus!
Seitdem geht es mir gut. Ich neide nichts und fühle mich wohl. Mein Leben ist schön.
Weil ich ein Meermenschenhaus fand.



Natürlich würde ich dieses Glücksgefühl gegen eine Aufwandsentschädigung (son Strandurlaub kostet ja nun auch was *g*. Natürlich nicht die Summe eines kompletten Urlaubs *hihi*) an liebevolle Hände abgeben ;-).