Nee, wir haben keinen!
Bekommen auch keinen.
Aber ich wollte grade anfangen munter vor mich hin auf zu räumen, da fand ich das Englischarbeitsheft von meinem Sohn. 1. Klasse, natürlich. Das für die 2. Klasse braucht er ja.
Ich stand also vornübergebeugt vor dem ewig zugemüllten Esszimmerregal und starrte auf das Heft. Dabei dachte ich an meinen Busenkumpel Birgit. Aber nur ganz kurz. Weil ich von Birgit gedanklich gleich weiter zu ihrem Bruder und seiner Familie dachte. Die ham nämlich grade einen. Einen Austauschschüler aus Amerika. Mit einem unmerkbaren, unaussprechlichen Namen.
Gedanklich machte ich dann einen kleinen Schwenk zur Bruderfamilie und wie nett die alle sind und wie gerne ich eh Birgits Familie mag.
Dann fiel mein Blick wieder auf das Arbeitsheft. Da ist dieser Junge also in einer Familie, die quasi seit der Begrüßung tapfer englisch mit ihm spricht. Das können sie gut und das ist ja auch einfacher als Deutsch mit jemanden zu sprechen, der das nicht wirklich kann. Man denke nur an unseren Norweger zurück, der das eigentlich hätte können sollen und fest an nahm dass hier alle Englisch können. Man, war das nen Reinfall für den!
Ich grübelte, immer noch auf das Heft blickend, darüber nach dass mein Englisch mehr als miserabel ist. Meine armen, armen Kinder. Sie können keinerlei Hilfe dabei von Muttern erwarten. Mein Englischniveau gleicht ungefähr dem eines Fünftklässlers. Oh oh.
Und dann dachte ich wieder an diesen Austauschschüler, der bei netten Menschen (die ich auch noch kenne) weilt.
Ob ich mir den mal ausleihen kann?
Für den ist das doch nen Klacks das dünne Heftchen mal just mit meiner Brut durch zu ackern und ihnen die richtige Aussprache für die paar Wörter bei zu bringen. Er würde ja auch sowas von davon profetieren! Ein Tag Deutschuntericht aus dem Leben gegriffen. Er würde lernen dass nicht alle Deutschen pupsordentlich und reinlich sind. Er könnte später Zuhause erzählen dass es echte Chaoten unter den Deutschen gibt und die trotzdem glücklich sind.
Dann habe ich mir (das Heft anglotzend) überlegt wie ich an den Bengel komme.
Ich rief mental also Conny an und berichtete ihr dass ich mittlerweile Rückenschmerzen wegen ihres Austausschülers hätte. Weil ich halt vornübergebeugt da gestanden und an ihn gedacht hätte. Und bitte um Ausleihe des fließend englisch sprechenden Jungen. Der ja wirklich viele Facetten der Deutschen kennen lernen sollte.
Als ich also so weit gegrübelt hatte kam mir der Geistesblitz!
Okay, Conny hätte mächtigen Spaß an der Ausleihbitte und meinen sehr logischen Argumenten darum. Doch (ich stellte mich grade hin und mein Rücken freute sich) warum sollte ich so einen Aufwand betreiben? Meine Elternpflegschaftschefin und Mutter eines besten Freundes meines Sohnes spricht fließend, da zweisprachig aufgewachsen, englisch.
Ich Depp!
Das hätte mir gleich wieder einfallen können!
Nun werde ich also Schuliris darauf ansetzen meinen Kindern die richtige Ausprache bei zu bringen. Das kann ich auch prima wieder gut machen indem ich ihren Sohn mit zum Sport nehmen. Da sind wa dann gleich quitt!
