Freitag, 26. September 2008

Der Zeigefinger

Natürlich ist auch der Einsatz des Zeigefingers bei meiner Mutter abgekupfert. Was sich bei einem selbst in als Kind als Erziehungsmethode bewährt hat sollte man tunlichst übernehmen, denk ich. Der Zeigefinger meiner Mutter hat ihr unzählige Worte erspart. Wenn wir es übertrieben, egal in welcher Form, konnten wir u-boot-ähnliche Reaktionen erleben. Der Finger streckte sich aus und ruckartige ging der Arm hoch. Dazu passend änderte sich der Blick in "Wenn du Krieg haben willst, kannst du ihn haben. Aber bedenke, dass ich kampferfahren bin und du noch übst!". Dann zeigte der Finger am Ende des ausgestreckten Arms Richtung eigenes Zimmer und man verschwand leise und brav in selbigen. Ich grübel nun schon seit vielen Jahren darüber was die Konsequenz des Bleibens gewesen wäre. Aber es fällt mir nicht ein! Meine Mutter war, obwohl man es damals ja auch von Rechts wegen durfte, keine Prügelmutter. Ich denk, bei 6 Kindern hat sie sich schnell ausrechnen können dass mit ewigen Prügeln ihr Schlagarm recht schnell auffällig an Muskeln zugenommen hätte. Und welche Frau läuft schon gerne mit 2 drastisch unterschiedlichen Armen freiwillig rum?
Jedenfalls habe ich den Finger gleich mal locker in die Erziehung meiner Kinder mit einbezogen. So sitze ich mit Besuch auch gerne in der Küche. Obwohl die echt winzig ist. Aber es steht ein Tisch darin und dieser auch noch so perfekt dass ich gleich 2 Flure überblicken kann. Sehr praktisch ist das. So kommt fast jeder Besucher mal in den Genuss das Phänomen "U-boot-Finger" bei mir mal zu beobachten. Denn sehe ich im hinteren Flur schon eine Bewegung werde ich sehr aufmerksam. Sobald meine Maulwurfsaugen diese Bewegung tatsächlich als Kind identifiziert haben bekomme ich den Kriegsblick und mache den U-boot-Finger. Und Wunder über Wunder, das Kind macht kehrtmarsch und verschwindet in 90% der Fälle *händereib* (bei 10% geht es um wirklich wichtige Dinge). Bisher hat noch kein Kind den Versuch gestartet gegen den U-boot-Finger an zu sabbeln. Ich denke, ich sollte meine Mutter trotzdem mal fragen was für eine Strafe bei Missachtung des Zeigefingers droht. Nur so zur Sicherheit.

Meine Mutter, die eine wunderbare Frau ist und deshalb auch sehr gut zu meinem Vater passt, hat ja dann lange nachdem ihre Brut erwachsen war mit dem Aquarellmalen begonnen. So richtig professionell mit Kurs und allem Pipapo. Im Nu zauberte sie die schönsten Blümchenbilder. Nur, da ich ja den toten Daumen habe und Blümchen bei mir nur ein sehr kurzes Dasein fristen (ich weiß noch wie Kumpel Birgit mir zum Geburtstag mal nen gelbes Blümchen im Pott überreichte und sagte: "So! DAS pflegste jetzt bis ich wieder komme!". Dieses eine Blümchen bekam meine geballte Aufmerksamkeit. Es musste doch möglich sein son Blümchen über nen paar Wochen am Leben zu halten. Ich goß und pflegte und tat um dieses Blümchen. So aufmerksam war ich noch mit keinem meiner Kinder. 5 Tage später war das Blümchen mausetot. Auch Kumpel Iris hat mich mal, trotz meiner tödlichen Wirksamkeit auf alles Grünzeug, mit nem hübschen blauen Blümchen beglückt. Ich habe mich echt geschämt als sie den toten Überrest vorm Haus in der Ecke entdeckte.) .................. naja, jedenfalls habe ich langsam eine Blümchenallergie und wollte deshalb nicht unbedingt ein Blümchenbild von meiner Mutter. Aber eines ihrer Bilder war anders. Es stellt eine Burg im Hintergrund von Hügeln dar. Und als ich dieses Bild entdeckte habe ich gebettelt dass ich es bekomme. Meine Mutter fand das Bild gar nicht so gut. Es war aus ihrer Anfangszeit und in ihren Augen nicht wirklich gelungen. Aber ich MUSSTE es haben. Denn der Turm der Burg erinnert mich ganz massiv an den ausgestreckten Zeigefinger meiner Mutter!
Ich liebe dieses Bild!