Es gibt Situationen im Leben, die löst man zur eigenen Zufriedenheit und ist trotzdem nicht stolz drauf.
So eine hatte ich gestern wieder.
Eigentlich bin ich ein Mensch, der bei vielen Sachen "Ja" sagt und sich dann endlos lange darüber ärgert. Meistens noch nachträglich. So kam auch letztes Jahr der Tag an dem Michaela und ich von einer ehemaligen Bekannten (die seitdem sie ihren Freund hat überhaupt keine Zeit mehr für Bekanntschaften aufbringen kann) angesprochen wurden. Sie würde im März heiraten und wir wären eingeladen. Ich war da schon son bisschen ehrlich und fragte warum wir plötzlich eingeladen werden sollen wo sie seit 2 Jahren nichts mehr mit uns zu tun haben wollte. Aber abgesagt habe ich nicht.
Dann hatten Michaela und ich niemals unangehme Gesprächspausen. Weil wir ja immer wieder überlegten was die beste Ausrede ist. Unsere Männer hatten beide sofort abgewunken als wir ihnen von der Hochzeit erzählten. Da sollten wir mal schön allein hin. Wollten wir aber nicht.
Der März rückte näher und wir haben begonnen weit weg vom Schuleingang zu parken und die Kinder nen Stück laufen zu lassen. Die müssen ja auch mal selbstständig werden.
Michaela hatte mittlerweile die Alltagsausrede dass die Oma 80 wird. Da muss man ja hin. Ich hatte immer noch keine und wollte mit zur Oma.
Gestern hat es mich erwischt. Endlich stand mal wieder der Polizist auf dem Parkplatz rum weil viele Eingeborene in unserem Dorf nicht so richtig wissen wie und wo man nu so wirklich parkt. Er stand natürlich nahe am Schuleingang damit er auch alles im Blick hatte. Ich hab also nahe am Polizisten geparkt weil ich ihn eh noch zur Parkplatzausfahrt etwas fragen wollte. Und "zack" hatte sie mich.
Hahahah, hihihi, freundliche Grinserie, "ich hab da noch etwas Schönes für dich" und *wetz* zu ihrem Auto und *wedel* mit der Einladung. Schon als sie zum Auto wetze fiel mein Herz inne Büx. In mir schrie alle: "NEIN NEIN NEIN NEIN!". Und als sie mir mit der Einladung vor der Nase rum wedelte habe ich es getan:
"Du, ich habe da mal drüber nach gedacht. Ich habe keine Lust auf deine Hochzeit zu kommen. Wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr und da seh ich da keinen Sinn drin.". "schwupp" Die Einladung war weg und ich bekam noch ein schnippisches "Dann brauchen wir das ja auch nicht wieder aufleben lassen!". "Ja," sagte ich, "Das ist auch meine Meinung. Ich hab dich so oft drauf angesprochen, jetzt mag ich nicht mehr."
Ich glaube, nu darf die Oma die Tochter nicht mehr zu uns bringen.
Michaela ist aus allen Wolken gefallen als ich ihr berichtete dass ich mangels passender Ausrede einfach mal ehrlich war. Nu isse ne bisschen neidisch und baut sich mental auf um zu sagen dass sie nicht kommen will wenn ich nicht komme.
So richtig gut fühle ich mich nicht. Lieber wäre es mir gewesen, ich hätte noch die ultimative Dasmussjederglaubenausrede gefunden. Aber manchmal lässt mich meine blühende Fantasie halt einfach im Stich.
