Mittwoch, 26. November 2008

damals und heute

Zur Arbeit ging ich geschniegelt und gestriegelt, hatte meinen eigenen Schreibtisch, Umgang mit netten Menschen, unterhaltsame Gespräche, wechselnde Herausforderungen deren Lösung mit Geld belohnt wurden. Schon allein die Bezahlung fürs Arbeiten hat enorm etwas für sich. Doch auch all die anderen Anehmlichkeiten, die ein Job und keine Kinder so mit sich bringen, sind nicht zu verachten.

Doch diese Zeiten sind vorbei.

Jetzt gehöre ich zur Schmarotzergruppe. Durch das Kindergeld, dass ich vom Start für meine Kinder bekomme schröpfe ich die armen kinderlosen Arbeiter, die verdammt viele Steuern dafür bezahlen und deren Anteil an Motzern darüber quasi täglich wächst. Für mich gibt vor den Supermärkten extra breite Parkplätze. Doch zum Glück gibt es kein Gesetz für die armen Kinderlosen dass sie vom dortigen Parken ab hält. Quetsche ich mich dann in eine übrig gebliebene kleine Parkparklücke und eines meiner Kinder dengelt dann beim Aussteigen mit der Tür gegen ein anderes Auto, ruft das mit Sicherheit ein Heer von Kinder- und Mütterhassern auf den Parkplatz.

Son Schiet.

Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich darüber sinniere wie schön es war als ich auch noch zu den geschröpften Kinderlosen gehörte. Nicht dass ich jemals einer Mutter den Parkplatz weggenommen hätte. Ich hab auch nie darüber gestöhnt dass ich allein so viele Steuern bezahlen muss wärend Familien das Geld hinterher geworfen bekommen. Aber ich hätte können! Ich hatte eine Wahl!

Nu bin ich wahllos.

Ich darf nur heimlich meinen engsten Anvertrauten flüsternd gestehen dass ich die Ideen mit kinderlosen Restaurants oder Hotels voll genial finde. Ich hab Kinder, ich muss darauf bestehen dass sie immer und überall dabei sein dürfen.
Wobei ich echt und ehrlich gestehen muss das auch ich ungerne Geld für ein Essen ausgebe bei dem ich mich dann nicht in Ruhe unterhalten kann und mein Hab und Gut auf dem Kopf balancieren muss damit nicht fremde Leuts Kinder daran rum wühlen. Ohne dass sie von ihren eigenen Eltern, die 5 Tische weiter endlich mal in Ruhe ein angeregtes Gespräch führen können ohne dass ihre Kinder dazwischen sabbeln, aufgehalten werden. Was ja auch verständlich ist. Welche Eltern sind nicht froh wenn sie mal vor Mitternacht in Ruhe miteinander reden können?
Ich finde es auch nicht wirklich klasse wenn ich nach 20 Uhr in eine Kneipe gehe und die Kinder dort noch munter rum wuseln. Oder im Sommer, in den Biergarten!
Hier bei uns gibt es zum Glück Biergärten für Leute mit Kinder und Biergärten für Leute ohne Kinder. Sie sind gut zu unterscheiden. Man muss nur von außen nach Sandkasten und Schaukel gucken. Was aber Eltern mit Kinder nicht davon ab hält ihren Kindern auch mal einen Biergarten für ohne Kinder zu zeigen. Leider.
Ich weiß aus eigener Muttererfahrung das selbst meine ausgehtauglichen, Fremde in Ruhe lassenden Kinder sich ganz schnell langweilen wenn sie sich satt gegessen haben. Und dann erwacht auch ganz schnell die Unternehmungslust.

Ich gestehe: Ich finde dass Kinder einfach besser auf dem Spielplatz aufgehoben sind als in einer Boutique für Damenbekleidung.

Wie war das eigentlich bei euch? Als ihr Kinder wart?
Ich kann mich nicht daran erinnern dass ich groß mit zum Einkaufen genommen wurde. Selten, äußerst selten mal. Naja, das haben meine Eltern wohl gut hinbekommen. Sie waren zu zweit. Einer ging einkaufen, einer hütete die Kinder, nehm ich mal an.
So halten mein Mann und ich das meistens auch. Die Kinder kommen nur mit wenn es sicher ist dass wir schnell durch sind.
Wobei meine Kinder sehr brav im Supermarkt sind. Es hat nur ein einziges Mal Härte und Konsequenz erfordert.
Ist schon lange her.
Wir waren im Supermarkt und die Lütten düsten fröhlich kichernd durch den Laden. Kreuz und quer flitzten sie und hatten viel Spaß. Boah, was ich genervt. Egal ob fröhlich oder schreibend .... schnelle, laute Kinder können einen mächtig vom Einkaufen abhalten. Man muss beim Schieben des Einkaufswagens immer aufpassen dass man nicht über ein Kind fährt, das grade über den Boden krabbelt um sich vor dem Geschwisterkind zu verstecken.
Ich habe also meine Kinder zu mir gewunken und ne Teambesprecheung gemacht. Jeder durfte sich eine Süßigkeit aussuchen und in den Wagen packen. Egal was. Nur eine Auflage gab es: Am Einkaufswaqgen bleiben und nicht mehr kichernd hin und her flitzen. Sie fanden die Idee toll und suchten sich mit Eifer etwas aus. Dann kam von mir: "Wenn ihr euch jetzt nicht an unsere Abmachung haltet könnt ihr Zuhause zusehen wie Papa und ich das essen. Versprechen muss man halten!". Alles klar, Sie wollten ihr Versprechen halten.
Eine Minute später sausten sie wieder durch den Laden.

Auf der nächsten Fahrt zum Supermarkt hörten wir dann wie mein Sohn seiner kleinen Schwester im Auto zunuschelte: "Diesmal müssen wir uns aber benehmen. Sonst essen Mama und Papa wieder unsere Süßigkeiten!!!".
Seit dem werden meine Kinder oft von Wildfremden gelobt weil sie sich so gut im Supermarkt benehmen.
Wobei wir sie auch nur selten für den Wocheneinkauf mitnehmen. Eigentlich kommen sie nur mit wenn ich losdüse um frische Sachen zu kaufen.

Als ich noch keine Kinder hatte kaufte ich mir völlig andere Kleidung als heute. Enge Röcke, hohe Schuhe, und Sachen, die man nicht selbst waschen durfte.
Heute kaufe ich labberige Hosen und Oberteile und Schuge mit denen ich schnell und leise vorran komme. Die Kleidergröße hat sich auch massiv geändert. Um 5 Größen nach oben. Hehe, ich brauch in keine Boutique mehr gehen. Da bin ich zu groß für geworden.

Gestern haben wir die Einladungskarten für den Geburtstag meines Sohnes fertig gemacht. Er kennt noch nicht alle Buchstaben. Und meine Schrift ist sehr schwer für ihn zu lesen. Nun hatte er die vielen Umschläge mit den Namen drauf und wusste nicht wie er sich merken sollte für wen welche Einladung ist. Also malte ich ihm kleine Zeichen auf die Umschläge. Einen Ball auf den einen, eine Sonne auf den nächsten und alles war klar. Ich glaube, er hat die ganze Nacht heimlich runter geleiert wer welches Zeichen bekommt. Denn heute früh stand er stolz, mit strahlenden Augen vor mir und wusste noch alles.

Echt und ehrlich: Dieses warme, glückliche Gefühl im Herzen als mein Sohn so stolz, glücklich und strahlend vor mir stand, hatte ich nie als ich noch arbeiten ging. Doch seit dem ich die Kinder habe habe ich dieses besondere Gefühl sehr oft.
Keiner meiner Kolleginnen und Kollegen konnte die Augen so strahlen lassen wie ein Kind. Keiner der Erwachsenen, mit denen ich als Berufstätige Kontakt hatte, konnte so intensiv das Leben genießen wie ein Kind.
Die haben auch alle nicht so gut gerochen wie ein Kind. Finde ich. Diese kleinen Biester riechen ohne Parfüm und Schmierdraufzeugs so toll, da kommt kein noch so teueres hergestelltes Duftwässerchen gegen an. Okay, man sollte sie dafür aber ab und zu mal waschen, die Kleinen.

Och, bei der Arbeit hat sich eh alles verändert. Da isses nicht mehr so schön wie früher. Da sind auch eh nicht mehr alle von damals da.

Ich will da gar nicht mehr hin.

Ich fühle mich pudelwohl als Mutter.

Naja, für die armen Arbeitenden ohne Kinder tut es mir echt nen bisschen leid. Aber sie können sich ja trösten: Solange es noch Leute mit Kindern gibt ist auch die Versorgung der Kinderlosen im Alter gesichert. Schließlich habe ich hier 3 potentielle wichtige spätere Erwachsene. Es muss ja jemand den Müll entsorgen, der sich auch noch bewegen kann. Es muss ja Ärzte geben, die einen behandeln wenn man krank ist. Auch eine Verkäuferin im Supermarkt ist angenehm. Weil, wenn ich alt bin und mich womöglich eh kaum bewegen kann oder nichts mehr sehe, dann sind Computerkassen nen bisschen schwer zu bedienen.

Und wenn ich wieder mal von einer Verwandten höre dass sie mit Kindern nichts am Hut hat und alles dem Tierheim vererben wird werde ich ihr edelmütig sagen: "Jau, mach mal! Schließlich gibt es ja zum Glück noch genug Kinder, die dann alt genug sind um die Tiere in deinem Tierheim zu versorgen. Weil, ohne diese heutigen Kinder wären die armen Viecher nur mit deinem Geld echt aufgeschmissen!". Ich sage nichts mehr von wegen "im Alter versorgt werden" und so. Weil dann ja immer die klugen Sprüche von wegen "Pfleger aus dem Ausland holen weil eh viel billiger" zurück kommen. Ich sage auch nichts mehr dazu wenn mir jemand mit den naseweisen Sprüchen von wegen "Geld im Ausland anlegen und sowie im Alter weg hier und bla bla bla" kommt. Ich sage nur noch "Tschüss, viel Spaß und genieße die Zeit!"

Aber könnten die ganzen Kinderhasser nicht jetzt schon gehen? Das wäre nämlich ne prima Lösung. Gleich ab in das Land wo sie ihr Geld anlegen und ihre spätere Pflege her holen wollen. Und die Jobs, die dann frei werden, die gehen an die Eltern, die grad keinen Job aber Kinder haben. Bei unseren Rentnern können wir die Wahl lassen. Wer Kinder hasst kann doch gehen, wer Kinder mag aber nicht unbedingt vor der Haustür, kann in Senorensiedlungen ziehen und ab und zu mal auf dem Spielplatz vorbei kommen. Und der Rest verteilt sich wild durchs Land.

Hach, was wäre das schön.

Dann eröffnen wir noch Hotels und Restaurants für Eltern, die mal von ihren Kindern nen Päuschen machen wollen. Also kinderfrei. Und keiner regt sich mehr darüber auf. Weils ja von Eltern für Eltern wäre. Im Gegenzug gibt es dann natürlich auch viele Restaurants und Hotels, in denen sich Kinder richtig wohl fühlen. Nicht nur eins in Leipzig, das nu auch schon wieder zu ist. Son Mist!

Und nu hab ich mich lange genug vor der Hausarbeit (Kinderklamotten bügeln) gedrückt.
Ich leg mal los und das mit Liebe und Stolz!
Nu bin ich ja selbstmotiviert!