Nee, nee, mir ist nix passiert. Ich bin pupsmunter (mehr oder weniger). Aber nachdem wir nun fast 5 Jahren in den mitgekauften alten Wohn-/Esszimmertapeten der Vorbesitzer dieses Hauses lebten war unsere Faulheitsausdauergrenze nun doch erreicht. Deshalb haben wir das Großbauprojekt "Selbtverwirklichung in diesen Räumen" in Angriff genommen.
Hach, watt isses schön.
Hach, watt isses lustig.
Mir tun zwar fast alles Knochen einschließlich der Füße weh aber ich hab schon so viel gelacht, das isses wert.
Da meinem geliebten Gatten meine Farbauswahl (ich musste nur nen halbes Stündchen auf ihn einsabbeln und schon hatte er meine Tapetenfavoriten in den Einkaufswagen gepackt) nicht so wirklich gefällt bin ich guter Hoffnung dass wir dieses mal mit dem Renovieren nicht so lange warten werden. Hehe.
Mir ist auch die Schreiblustnicht wirklich vergangen. Meine Eltern haben jetzt schon einen grob umrissenen Bericht per Mail bekommen. Nur, nu hab ich keine Lust alles noch mal zu schreiben. Ist ja auch kaum was passiert. Okay, wenn der große Teppich jetzt draußen wärend des Hagelschauers von uns vergessen worden wäre hätte ich nun triumphieren können dass wir das Fusselbiest endlich los werden. Aber so haben wir ihn rechtzeitig, geziert von ein paar Regentröpfchen, retten können und nur der Rücken meines Mannes ist patschnass geworden als wir in der Terassentür mit dem Teppich stecken blieben. Aber Wunden vom Hagel hat er nicht bekommen. Also war es kaum der Rede wert. Durch den schnell nasser werdenden Rücken hat mein Mann dann auch das Steckenbleibproblem quasi allein und mit viel Kraft lösen können. Ich hätte das glatt filmen können wenn ich die Cam zur Hand gehabt hätte.
Auch die Bücherstapel, für die wir keine Kartons mehr hatten, standen weit genug unterm Terassendach dass sie nicht vom Hagel zerfetzt wurden. Sie haben nur Punkte bekommen. Mein Mann hat beim Retten auch sauber (er sollte mal wieder bowlen gehen) alle Stapel auf einmal umgeschmissen. Mir ist aber vor Staunen die Kinnlade nicht bis auf den Boden geknallt. Das geht so schlecht wenn man breit grinsend im Trockenen steht und fasziniert zuguckt. Also, auch die Bücher wurden gerettet.
Hübsch sah der Terassentisch aus. Wer nicht genug Kartons für seine Bücher hat, der hat schon mal gar keine Kartons fürs gute Geschirr. Munter prasselten die Hagelkörner in Tassen, Eierbecher und Terrinen. Das sah ganz bezaubernd aus. Vor allem, weil die Sonne ja auf alle Nachbargrundstücke schien und es nur in unserem Garten ein kleines Unwetter gab. So ein wunderschönes Bild hätte kein Spezialeffektfachmann hinkriegen können. Die Vorwäsche fürs nie benutzte und deshalb mächtig eingestaubte Hochzeitsgeschirr war also gespart. Sehr praktisch.
Bis jetzt ist noch niemand von der Leiter gefallen.
Die Kinder sind nun auch zu groß um noch Kleister zu probieren. Da war es schon witziger als meine Jüngste mit 1,5 Jahren nen ordentlich Probierfinger voll weißer Deckenfarbe in den Mund steckte als ich auf dem Küchentisch turnte um die Decke zu streichen. Und das, kurz nachdem ich ihren Bruder grade noch rechtzeitig von dem Farbeimer vertrieben hatte.
Die Katze hat sich schlauerweise gleich verzogen als der Renovierungslärm vom Möbelrücken los ging.
Also gehts hier zur Zeit wie bei ganz normalen Leuten zu. Wir haben uns alle noch lieb, keiner hat dem anderen den Kleisterquast übern Kopp gezogen, ein Hauch von Erschöpfung und wehen Knochen macht sich breit und die Vorfreude aufs Fertigsein steigert sich mit jeder klebenden Tapetenbahn. Ich hege auch keine Hoffnung dass sich über Nacht alle mühsam geklebten Bahnen malerisch gen Boden gefaltet haben. Meine Schwester schläft im Wohnzimmer und hätte dann schon längst Alarm geben.
