Also, das geht mir ja nicht aus dem Kopf; was ich da gesehen habe; die Tage beim Rumzappen. Da gings es um die Frauen, die so richtig erfolgreich im Berufsleben sind. Kluge Frauen. Gepflegte Frauen. Gutaussehende Frauen. Also kurz und gut: Frauen, die so völlig anderes sind als ich
Ich schaute mir also diese Frauen an und dachte, dass ich es bewundernswert finde wenn ein Mensch (ist mir eigentlich egal ob Frau oder Mann) sich für einen Weg entschieden hat und seine Ziele verwirklicht. Das Wichtigste ist, dass jeder mit seinen Entscheidungen zufrieden ist.
Aber diese Frauen waren gar nicht zufrieden. Aber sowas von überhaupt nicht zufrieden. Weil sie allesamt keinen Mann fanden.
Hm. Tja. Das ist nen Ding.
Diese Frauen hatten sich also einen Platz in der "Männerwelt" erkämpft und waren dadurch "unweiblich" (wenn ich das nu richtig verstanden habe) geworden. Sie sahen sehr weiblich aus, fast alle mit längerem Haar und keine hässlich, hatten eine weibliche Stimme und ich hätte nu so oberflächlich nix "unweibliches" finden können. Aber ich gebe es zu: Ich hab da keine Ahnung von. Ich wusste als Kind schon was ich werden wollte wenn ich groß bin, bin über Umwege zu diesem Ziel gekommen und habe ich mich dann dazu entschieden aus diesem Ziel das Beste zu machen, auch wenn es doch nicht immer so prickelnd ist wie ich es mir damals vorgestellt hatte.
Da diese Frauen sich nun unweiblich und unbegehrenswert und nicht manngeeignet fühlten machte sie die interessantesten Sachen. Da gab ein Tanzlehrer den Mädels Unterricht im weiblichen Verhalten. Da gab es Gruppen, die trafen sich um zu überlegen wie man auf die Männerwelt weiblicher wirkt und dann waren da auch noch Beschreibungen von erfolgreichen Frauen, die einen Mann gefunden hatten der aber nicht gut damit klar kam dass diese Frauen so erfolgreich waren. Diese Frauen haben dann schnell zurück gesteckt damit es dem Mann besser geht.
Ich komme da nicht drüber weg.
Das ist so rätselhaft für mich. Eine völlig andere Welt auf demselben Planeten.
Interessant!
Nun grübel ich ob ich nicht auch Kurse für erfolgreiche aber mannlose Frauen anbieten soll. Ich glaub, ich sollte so Treffen organisieren.
Hausfrauen mit fleißigem, erfolgreichen Mann treffen auf Karrierefrauen, die auch so einen haben möchten. Dann wird zusammen gekocht, geschnackt und ausgegangen. So sehen die Karrierefrauen was sie in der Freizeit von den Hausfrauen unterscheidet und können sich dann Eigenheiten aneignen, die sie für nötig halten.
Selbsthilfegruppen!
Ich gründe eine Gruppe, in der sich Frauen mit Mann und Frauen ohne Mann treffen und austauschen. So müssen die Karrierefrauen ihr echt hart erkämpftes Geld nicht zu Leuten bringen, die ihnen dafür beibringen wie eine Frau zu sein hat.
Ich habe die ganze Zeit an meinen längsten alten Busenkumpel gedacht. Sie hat ihren Weg gemacht und ich bewunder sie unendlich dafür. Sie hat mit Sicherheit nicht alles im Leben bekommen was sie sich einst wünschte, doch sie genießt ihr Leben. Trotz Studium und Doktortitel hat sie eine Beziehung zu einem sie liebenden Mann.
Vielleicht sollte sie eine Selbsthilfegruppe gründen. Sie kennt bestimmt noch mehr ihrer Art, die auch helfen könnten.
Auf jeden Fall hab ich für mich aus diesem Bericht auch etwas gewonnen.
Wenn ich mich jetzt selbst bemitleide weil das mütterliche Hausfrauendasein so eintönig ist und der Lohn so irgendwie aus bleibt, dann werde ich mir nen Cappuccino (Prost zu Nescafe) kochen, mich gemütlich hin setzen und liebevoll an meinen Mann denken, der jeden Abend nach der Arbeit zu MIR zurück kehrt und auf den ich mich freue.
Ich bin son bisschen froh dass ich schon als Kind wusste dass ich keine Karrierefrau bin.
Und ich werde noch ne ganze Weile an diese vielen Frauen, denen etwas Wichtiges zu ihrem Glück fehlt, denken.
