Vorweg geschrieben:
Bei uns gucken die Kinder kein Fernsehen wenn am nächsten Tag Schule ist. Klar, sie würden oft gerne. Doch irgendwie finde ich dass sie lebendiger und aufnahmefähiger wirken (habe das schließlich genau erforscht) wenn sie es nicht tun.
Es begann am Mittwoch. Die Kinder machten sich bettfein und ich wollte noch schnell Nachrichten gucken. Wegen des Wetters und überhaupt, um mal so auf dem Laufenden zu sein. Und unerklärlicherweise habe ich ausnahmsweise mal auf RTL2 die Abendnachrichten geguckt. Mache ich sonst nie. Eigentlich gucke ich abends WDR, dort werd ich besser über die Geschehnisse in der Gegend informiert. Aber alles wenn und eigentlich und überhaupt hilft nix, ich machte halt den Fehler mit RTL". Wobei, lustiger isses auf RTL2. Grad am Mittwoch wäre es pupslustig gewesen wenn ich z. B. mit einer meiner Schwestern oder Jenny geguckt hätte.
Die "Nachrichten" waren fast vorbei, es konnte sich nur noch um Minuten bis zum Wetter handeln da tauchten meine Kinder, fertig für die Nacht gestylt, auf. Und genau in dem Moment begann der Bericht mit dem Alien. Welches ja mexikanische Hinterlandbauern mit einer Bärenfalle gefangen hatten. Schon vor ner ganzen Weile. Ich sah also sehr amüsiert den Bericht, in dem dieses Alien andauernd, noch in der Bärenfallen steckend, vor der Kamera rum gewedelt wurde. Meine Kinder waren mäuschenstill und meine Mutteralarmglocke hatte wohl schon Feierabend.
Ja, natürlich gaben Fachleute ihren Senf des Unglaubens dazu ab. Aber immer wieder tauchten die alieninbärenfalleschwenkenden mexikanischen Hinterlandbauern im Bild auf!
Dann war der Bericht zu Ende, das Wetter geguckt und ich brachte meine Brut zu Bett.
Das Drama begann.
Meine Lütte war diesmal als erste dran, mein Sohn sprang in der Tür rum und beide sabbelten mich voll von wegen ob das Alien auch zu uns kommen würde. Nee, das bezweifelte ich. Mit son ner Bärenfalle anne Füße, mausetot ........ da ist der Weg vom mexikanischen Hinterland dann doch nen bisschen weit. Ja, aber die hatten ja gesagt dass ein Bauern noch ein lebendes Alien hat wegflitzen sehen. Ich wehrte ab. Kein Alien, das sich durch die unenedlichen Weiten mit einem unbeschreiblichen Ausmaß an Technik gemacht hatte würde a) im mexikanischen Hinterland rumtappen um mal zu gucken wie man sich in einer Bärenfalle fühlt und b) das ostwestfälische Hinterland aufsuchen um grad meinen Kindern Angst zu machen. Die hätten, meiner laut geäußerten Meinung nach, Besseres zu tun.
Mit der Technik und den unendlichen Weiten (und den damit verbundenen Kosten, die doch jede vernünftige Frau, also auch jedes verbünftige Alien besser ausgeben könnte) hatte ich mein Töchterchen überzeugt. Sie befand sich auch für nicht wichtig genug um den Besuch eines Aliens zu rechtfertigen.
Völlig anders mein Sohn, der anschließend zu Bett gebracht wurde.Der ist wichtig und das weiß er auch ganz genau! Außerdem sind männliche Wesen ja doch auf mehr Sicherheit bedacht. Die Wesen, die mit überhöhter Geschwindigekit Autorennen durch Innenstädte fahren und da gerne Fünfe grade sein lassen, sind dann in banalen Dingen unheimlich pingelig und genau. Nech?
Mein Sohn war überzeugt dass alle Aliens, die sich durch die unendlichen Weiten (da soll mir mal noch einer mit Männer und logischem Denken kommen!!!) quälen als erstes zu uns kommen (okay, ich mag gastfreundlich sein. Aber so gastfreundlich dann doch wieder nicht) und es sich hier bequem machen. Hier folgte dann, da ja sonst nix nutzte, ein Querverweis meinerseits auf nette Aliens, siehe ET, und positives Denken in diese Richtung.
Mein Sohn jedoch war überzeugt dass dieses schäddelige Davonflitzalien (mental drehte ich allen Verantwortlichen bei RTL" sowie den mexikanischen Hinterlandbauern den Hals um) schon längst bei uns wäre. In seinem Zimmer. Ich musste also die vollgeölte Ecke unter seinem Bett durchsuchen. Was ich ausgiebig tat. Ich musste seine Schubladen und Schränke und Ecken durchsuchen. Ich war schwer beschäftigt, verkniff mir die Frage ob ich beißfeste Handschuhe anziehen solle falls ich das Alein im Kinderzimmer finde und suchte sehr genau. Ich wurd ja auch von oben, aus dem sicheren Hochbett, beobachtet. Ich fand viel Müll aber kein Alien.
Dann durfte ich gehen. Mit "gute Nacht, mein Schatz und schlaf schön" und hatte schon die Tür in der Hand. Da musste ich dann auch noch hinter gucken. Sicherheitshalber. Der Spalt zwischen Tür und Wand beträgt so ca. 5 cm! Da würde also, rein theoretisch, ne ganze Alienufobesatzung samt UFO locker hinter passen. Ich schaute hinter die Tür und konnte den Schalk, der schon ne Weile munter in meinem Nacken kitzelte, nicht mehr im Zaun halten *schäm*.
Ich guckte vorsichtig hinter die Tür, brüllte "Oh backe!", riss die Tür auf und sprang wie ne Irre in der Ecke rum. Wild auf eine Stelle treten. Ja, ich rief sogar: "Dich mach ich fertig. du Sau!", wo man doch sowas wirklich nicht sagt *megaschäm*. Mein Sohn sprang wie ein Schachtelmännchen im Bett hoch: "Isses da????" und ich wäre fast zusammen gebrochen. Supercool drehte ich mich um, schaute ihn triumphierend an und sagte: "Nee, das war nen Killerkrümel. Aber ich hab den voll fertig gemacht! Du solltest echt mal öfter aufräumen und saugen (wenn se klein sind saugen sie ja noch schrecklich gerne)."
Mein Kind kennt seine Mutter ja nun schon viele Jahre und wusste Bescheid. Er musste mächtig kichern und wirkte beruhigt auf mich. Licht aus - Tür zu - Feierabend - Abgang Richtung Wohnzimmer.
Auf den Weg dorthin begegnete mir auch mein, just heim gekehrter, Mann. Dem ich gleich beichtete welch fatalen TV-Fehler ich gemacht hatte. Wir kamen noch nicht mal dazu uns hin zu setzen und über den Tag zu sprechen. Denn mein Sohn war schon wieder da! Ich sollte doch lieber noch mal nachgucken, er hätte da ein merkwürdiges Geräusch gehört. Sicherheitshalber ging Papa mit. Der ist ja stärker. Mein Mann ( da erklärt sich wieder warum wir so gut harmonieren) hat nen Spielzeug in der Schublade (wir sind aber auch gemein) fertig gemacht. Dabei hatte ich ihm noch gar nicht vom Killerkrümel erzählen können.
Der Junge tauchte dann auch nur noch ein mal, als ich schon schlief, mit einer wichtigen Alienfrage bei meinem Mann auf.
Am nächsten Morgen hörte ich nix mehr davon.
Aber gestern abend )Elternabend) erzählte mir mein Blondinenkumpel Michaela, die diese Woche die Kinder zur Schule bringt, dass Alex im Auto von dem Alien berichtete.
Gestern abend musste mein Mann nur noch ein mal das ganze Zimmer durchsuchen.
Ich glaub, ich werde heute noch mal ernsthaft mit meinem Sohn über Außerirdische reden!
Hoffentlich macht der Nackenschalk derweil nen Ausflug *seufz*.
