Ich bin wirklich fasziniert von meinen Kindern. Keines gleicht dem Anderen im Lernverhalten. Allen Eltern, die ein Faulikind haben, kann ich aus meinen bisherigen Erfahrungen nur empfehlen bloß noch nen paar Kinder hinterher zu bekommen.
Mein erstes Kind:
Sie kam zur Welt und sah mich an. So viel Wissen in den Augen. Ich wusste, ich hatte ein kluges Kind geboren. Nach unzähligen Intelligenztest ist bewiesen dass dieses Kind tatsächlich nicht dumm ist. Leider merkt man das nicht an ihren schulischen Leistungen. Sie nutzt ihr Hirn lieber zum Erfinden von Ausreden warum sie grad mal wieder nichts tun konnte und alles vergessen hat. Nicht nur jetzt, in der Pupertät, sondern schon immer.
Den ersten Schultag (mit Schultüte und Feier) fand sie noch prima und deshalb auch die Schule klasse. Aber am zweiten Schultag gab es nichts mehr. Son Schiet! Sie ist an der Grundschule in die Analen eingegangen als das Kind, das am zweiten Schultag nach Schulende heulte wie ein Schlosshund. An dem Tag hatte sie auch beschlossen dass Schule doof ist und sie da keine Lust zu hat. Bis heute hat sich an diesem Beschluss nichts geändert.
Ich habe mit ihr am Tisch gesessen und verzweifelt immer neue Wege gesucht um ihr auf dem Weg des Lernens Hilfe zu geben. Das Kind war so stur! Ich hatte tatsächlicher schneller gelernt leserlich mit meiner anderen Hand zu schreiben als sie mit ihrer Haupthand. Mühsam hatte ich mir mit den PC ihre ganzen schönen Blätter nachgestaltet, ausgedruckt und mit netten kleinen Bildchen versehen um das Lernen angenehmer zu machen. Sie boykottierte alles.
Mein Trost: Heute schämt sie sich ein bisschen wenn wir darüber sprechen. Mittlerweile bemüht sie sich auch ein wenig in der Schule um wenigstens einen einigermaßen anständigen Abschluss zu bekommen.
Mir war die Lust auf Schule als Mutter absolut vergangen!!!
Mein zweites Kind:
Er kam zur Welt, sagte 2 Tage keinen Pieps und guckte einfach nur. Am dritten Tag produzierte er leise Töne und übte das Lächeln. Mit 14 Tagen hat er das Herz des Nordseeopas auf ewig für sich erobert indem er grad mal lächelte als der Opa ihn an sah. "Hui," dachte ich "mit dem wird die Schule leichter!".
Der erste Schultag war auch für dieses Kind ein ganz besonderes Ereignis. Auch die folgenden Tage ging er dort gerne hin. Nach ca. 3 Wochen kam der erste Unwille auf. Aber er bemüht sich redlich.
Wir haben manchmal Stress beim Lernen. Doch dann geht er ein Weilchen spielen, ich frage ab und zu nach ob er nun bereit für die Hausaufgaben ist und wenn er bereit ist klappt es auch. Mal prima, mal schwerlich. Alles in allem muss er sich sehr bemühen, es fällt ihm nicht leicht, doch er macht Fortschritte. Zu 85% haben wir viel Spaß bei den Hausaufgaben. Er glaubt mir (im Gegensatz zu seiner großen Schwester) wenn ich ihm Tipps geben und stellt schnell fest dass ich Recht hatte. Ein wirklich angenehmes Lernen!
So kann es weiter gehen!
Mein drittes Kind:
Hehe, die ist noch gar nicht in der Schule!
Dieses Kind kam zur Welt und machte mir sofort Angst. Der Mund war noch gar nicht richtig da und schrie schon. Sie brüllte entsetzlich und das auch schon laut. Eine riesengroße Zornesfalte zierte ihre Stirn. Dank der vielen von mir gesehenen Horrorfilme dachte ich gleich an Damian und Konsorten. Die Zeit verging und das Kind schrie. Ab und zu machte sie mal ne Schlafpause um dann weiter zu brüllen. 9 Monate gingen ins Land und sie schrie munter zornig vor sich hin. Dann stellte sie fest dass sie nur üben muss und dann ihren Kram selbst machen kann. Sie wollte kein Babyessen mehr, sondern das, was der Rest der Familie auf den Teller hat und zwar auch genau so! Die Zeit des ungewürzten Essens begann für uns.
Seit dem mein kleines Mädchen also 9 Monate alt ist übt sie. Sie sieht etwas oder hört etwas, das sie auch können will und übt unbeirrt bis sie es kann.
Herr *vonherzenfleh*, gib dass das so bleibt!
Gestern habe ich mit Alex Hausaufgaben gemacht. Eigentlich vertreibt er Jule in der Regel. Dabei macht sie gar nichts. Sie guckt nur zu. Aber sie nervt ihn halt. Aber gestern hatte sie sich wieder heimlich angeschlichen und stand neben mir am Tisch. Wärend ich mit Alex Zahlen rauf und runter übte flüsterte Jule ganz leise vor sich hin. Und guckte auf die Schreibmappe. Ich lauschte. Und hörte wie sie leise vor sich hin las was da stand.
Ich sagte ihr, sie solle ruhig lauter vorlesen denn sie würde das schon sehr gut machen. Und sie machte es sehr gut. Ich hatte Tränen des Stolzes in den Augen. Mir war klar, DAS hatte sie nicht von mir! Aber ich war trotzdem stolz wie Oskar.
Hach, mein Misstrauen was Kinder und Schule betrifft ist zwar noch nicht weg, aber ich schaue recht optimistisch in die Zukunft. Ich könnte ja wirklich Glück haben und tatsächlich nur mit einem Kind massive Schwierigkeiten gehabt haben. Ich finde, dafür können mich die beiden anderen ruhig belohnen.
